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Besenbinden und Körbe flechten
Wenn der Opa er zählt, dann fallen ihm gleich wieder die harten und langen Wintermonate ein, in denen das Besenbinden früher so manche Familie beschäftigte. Überhaupt war es so, daß landaus, landein das Anfertigen von Reisigbesen aus den biegsamen Ästen der Birke oder des Ginsters üblich war. Man kann also nicht von einer bestimmten ortsgebundenen Tätigkeit sprechen, eher von einer handwerklichen Arbeit, die sowohl in deutschen Landen wie auch in der übrigen zivilisierten Welt selbstverständlich war. Nun war es so, daß besonders hier, in der moorigen Eifelgegend, wo naturgemäß die Moorbirke zu den am häufigsten vertretenen Gehölzen gehört, die Besenherstellung neben dem Eigenverbrauch auch als zusätzliche Erwerbsquelle vonnöten war. Deshalb wurden in vielen Familien Reisigbesen in großer Zahl hergestellt, die dann per Handwagen oder Ochsenkarren in den Städten angeliefert und verkauft wurde.
Wie ging nun das "Besenbinden" vor sich?
Wie gesagt, es war eine Arbeit, die im Winter, wenn das Laub von den Bäumen war und auf den Feldern die Arbeit ruhte, durchgeführt wurde. Neben den schon erwähnten Birkenreisern und dem Ginster stand mancherorts auch Heidekraut - oder wie man hier sagt -"Bessemshejd" zur Verfügung. Zur Fertigung der Besen war eigentlich kein besonderes Handwerkszeug erforderlich. Allerdings muß vom Besenbinder eine gewisse Geschicklichkeit erwartet werden, auf die wir aber später noch zu sprechen kommen.
Der Besenbinder - so wollen wir diesen Handwerker fortan nun nennen - wartet auf einen schneefreien Tag im späten Winter, um dann mit einem Helfer (oft war es die Ehefrau oder größere Kinder) in das Venn zu gehen, wo die meisten Birken wachsen. Die Birke - das muß man wissen - ist ein sehr schnellwüchsiger Baum und wenn man sie ihrer Äste oder sogar ihrer Krone beraubt, so wächst sie in der Folge noch eifriger und schneller. Im Moor ist die Birke nicht so gerne gesehen, weil das Wasser aus dem Boden saugt und sich überall verbreitet. Also, der Besenbinder bemüht sich ins Venn, "bewaffnet" mit eine Hippe (Höpp) und einem Messer, einem Sack und einigen Schnüren. Im Sack trägt er das Werkzeug, die Schnüre benötigt er zum Zusammenbinden. Nachdem er sich einige entsprechende Bäume ausgewählt hat, schlägt er mit der Hippe eine große Anzahl von langen, dünnen Ästen - die noch weitere Verästelungen haben - ab, bündelt diese zusammen und trägt sie auf dem Rücken nach Hause. Die restliche Arbeit wird in der Scheune - oder bei schönem Wetter im Hof - erledigt. Zuvor aber sucht er sich - vielleicht beim Nachhausegehen - einige gerade gewachsene Äste vom Haselnußstrauch oder von der Eberesche für seien Stiele aus. Falls ihm am Wegrand noch ein paar junge Weidenruten aus dem Boden entgegenstreben, kommen die ihm gerade recht, um damit später den Besen zu umwickeln.
Nachdem er sein Reisigbündel auf den Boden gelegt und sortiert hat, nimmt er Ast für Ast in die Hand, entfernt hier ein paar quergewachsene Teile, biegt da etwas in die richtige Form und packt Stück für Stück zusammen, bis der Besen die gewünschte Dicke erreicht hat. Mit dem Messer stutzt er die Enden und auch die dickeren Teile, nimmt schließlich die Weidenruten und umwickelt damit zusammengepreßten Besen so, daß er nicht mehr auseinanderfallen kann. Jetzt kommt der Stiel an die Reihe. Dieser muß zuerst von den hervorstehenden Seitentrieben befreit werden. Dazu benötigt er wieder die Hippe und einen "Hauklotz". Viele Besenbinder besitzen eine "Schnitzbank". Das ist ein Gestell, in das man den Stiel einspannen und mit den Füßen spannen kann. Mit dem Ziehmesser wird dann die Rinde in langen Streifen abgeschält, bis der Stiel ganz glatt ist. Nun wird noch eine Seite angespitzt und dann zu guter Letzt in den Besen gesteckt. Jetzt ist der Reisigbesen fertig. Zum Abschluß noch ein paar Anmerkungen: Nicht nur die Kehrbesen wurden aus dem Geäst der Birken hergestellt, oft waren es auch "Rühr- oder Schneebesen", die aus - geschälten - Birkenreisern angefertigt wurden. Die Rührbesen wurden allerdings nicht von den abgeschnittenen Ästen genommen, sondern wurden direkt am Baum "jestrüppt", d.h. mit einem gespaltenen Stock, in den man den Ast steckte, abgeschält. Auch im Volksglauben spielte der Reisigbesen eine große Rolle. Denken wir nur einmal an die "Hexen", die ohne Besen ihres bekanntesten Requisites beraubt wären. Beim früher in der südlicheren Eifel zu Ehren von St. Michael (29. September) angezündeten "Michaelsfeuer" wurde das brennende Feuer von den Jugendlichen mit flammenden Besen umschritten - heute vielleicht noch in abgewandelter Form hier üblich beim St. Martinsfeuer, allerdings mit Pechfackeln. Bei Langenfeld-Adenau mußten Frauen, die zum ersten Mal ein Kind zur Taufe begleiteten, zuerst über einen Besen springen - möglicherweise ein alter Abwehrzauber. Auch heute noch spielt der Reisigbesen - oder der Besen schlechthin - eine Rolle unter den Redensarten, denken wir nur einmal an Sprüche wie "Neue Besen kehren gut", "Jeder kehre von seiner Tür" oder, wie man hier und da noch zu hören bekommt, wenn jemandem Prügel angedroht werden: "Du krisse jebessemt". Heute, im Zeitalter der Industrialisierung und Automation, hat der Reisigbesen weitgehend an Bedeutung verloren. Und trotzdem, wenn man aufs Land geht - dann begegnen sie einem wieder, denn mit keinem noch so teuren und durchgestylten Kunststoffbesen kann man seinen Hinterhof so sauber halten wie mit einem echten, möglichst selbstgefertigten R e i s i g b e s e n !!! Übrigens, wenn Sie keine Möglichkeit zur Selbstanfertigung haben und trotzdem einen echten Birkenbesen ihr Eigen nennen möchten - im Bauernmuseum Lammersdorf werden sie zu einem geringen Preis gerne abgegeben. Tja, Zeiten waren das ... |
