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Sense dengeln
Wenn der Opa erzählt, dann blickt er auf eine alte Grassense, die in der Scheune des Bauernmuseums an einem Aststück hängt. Mit ihrem schlichten Holzstiel und dem schon vom Rost leicht gefärbten Blatt, dessen Spitze traurig nach unten zu zeigen scheint, macht sie wohl keinen "Staat im Hause" mehr. Nichts läßt erkennen, nur erahnen, welchen hohen Wert sie einmal hatte. Eine gute Sense, frisch gedengelt und geschärft, das ist schon eine feine Sache. Bei näherer Betrachtung wird auch mehr von ihrem Eigenleben sichtbar: Da ist der lange, kantige Stiel aus Buchenholz mit den beiden, in verschiedene Richtungen zeigenden Griffen und dann das Sensenblatt. Dies, in einem aufwendigen Schmiedeverfahren einst aus Eisen hergestellt und gehärtet, ist mittels einer Schraubhülse am Stiel befestigt. Und dann ist da noch ein dicker, auf rund gebogener Draht, der beim Ablegen des gemähten Grases dienlich ist. Doch was ist schon eine Sense ohne das Dengelwerkzeug? Erst eine scharfe Sense macht das Werkzeug aus - ungeschärft ist sie nur barer Schrott. Also - jetzt ist es gesagt - das "Haargeschirr" ist wichtig. Gleich neben unserer Sense hängt es an einem Haken: bestehend aus dem (ebenfalls im Feuer) geschmiedeten Dengelamboß (Haarstock) und dem kurzstieligen Dengelhammer.
 Aber auch der aus einem abgeworfenen Kuhhorn zweckentfremdete und mit Wasser gefüllte Schlucker (Stuuch) sowie ein keilförmiger harter Schieferstein sind nötig, um der Sense den "richtigen Schliff" zu geben. Wie mag nun das Sensenschärfen (dengeln) vor sich gehen? Nun, das ist schon eine wahre Kunst! Ein gutes Auge gehört dazu und eine sichere Hand und - Spucke. Doch der Reihe nach: Nach getaner Arbeit setzt sich der Bauer auf einen alten Sack, so richtig in die letzten wärmenden Strahlen der Abendsonne, und treibt den Dengelamboß mit ein paar kräftigen Hieben in den Boden. Gut ausgerichtet muß er sein, der "Haarstock", damit das Haaren auch gelingen kann. Jetzt nimmt er das Sensenblatt, das er vom Stiel beizeiten gelöst hat, in die linke, gegebenenfalls auch in die andere Hand, legt es dann mit der Schnittkante auf die flache, leicht abgerundete Oberkante des Ambosses und schlägt nun (nicht ohne vorher in die Hände und auf den Hammerfuß zu spucken) mit dem Hammerfuß gezielt und abgewogen auf das Blatt.
Ja abgewogen muß er sein, der Schlag, präzise und gekonnt, sonst wird aus einem geraden Schliff ein Wellenschliff und das ist ungekonnt. Den guten Dengler - so wird es berichtet - erkennt man am millimetergenauen, geraden Schliff, den schlechten daran, daß er fortwährend beim Mähen mit dem Wetzstein nachschärfen muß. So geht es nun eine geraume Weile, und allenthalben hört man aus den Höfen des Dorfes die Hammerschläge schallen. Ist die Sense nun endlich dünn und spurgemäß geformt, greift der Bauer noch zum "Stuuch", um mit dem Wetzstein rasch das Blatt zu schärfen. So sieht man ihn jetzt aufrecht stehend, in der einen Hand die Sense haltend (die inzwischen wieder mit dem Stiel verbunden und abstandsmäßig ausgerichtet ist) und mit der anderen Hand in rascher Folge den feuchten Wetzstein links und rechts der scharfen Spur entlangstreichen. Nun kann der Tag getrost zu Ende gehen, denn alle Arbeit ist getan. Was morgen kommt, das wird mit Gottes Hilfe schon gelingen! Tja, Zeiten waren das ...
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